Gedichte

Dich traf ich Baum

Dich traf ich Baum, Als ziellos ich durchirrt das wüste Land.
Verharren mußt ich dunklen Sinns vor dir
Und lauschen dem Gekrächz der Raben.
Du Baum, du sahst und hörtest viel – Verhallt ist längst der Schrei,
Da Bruder stach dem Bruder tief des Messers Stahl ins junge Fleisch
So dass Blut sich gierig in die Erde bohrt.
Doch sahst du auch den Knecht vor dir,
Wie er der reinen, schönen Magd
Den harten Schwanz ins weich’ Geschlecht Gestoßen,
verzückt sie beid’ im Schrei der Lust.
Und auch den Juden, wie sie schlugen ihn und Schlangen um den Hals den Strick ihm
Und gurgelnd er noch schluchzt, es lebe Juda!
Den Reigentanz der Mädchen und der Burschen,
sich suchend und dann findend sich Im Düfteschwanger deiner Krone Blüten.
O Baum! rief ich „siehst du denn nicht Ins wüste Land gebrannt die Zeichen
Unsrer Zeit – Stein und Beton und Schlamm
Und Götzen hüpfend um das ‚Goldne Kalb’?
Verloren bist du, Baum - greller Blitz aus
Dunkler Zeiten Wolken und wilder Wintersturm
Vermochten nicht zu brechen dich,
Doch Menschenwerk lässt dich veröden.
O Baum, ich wein um dich
Und fühl mit dir des Lebens Kraft Versiegen.

<Nach oben>

Am Fenster

Es war ein heißer Tag.
Kein Tag wie jeder andere!

Wir spielten Fangermandl mit den Mädchen,
Und wenn zu fassen wir sie wo bekamen,
Drückten hart wir sie an unsere Schenkel.
Das war ein Stöhnen und ein Fluchen,
Wer sich nicht fand, s’war ihnen schwach vor Ärger.

Doch plötzlich war’n sie alle still
Und hockten wie die Hühner auf der Eisenstange
Da vor’m Treppenfenster.
Ich keilt mich durch und preßt die Stirne an die Scheibe,
Der Meute heißen, brünstgen Atem im Genick.
Und als die Augen sich dem Dämmer drinnen angeglichen,
Da kniet der Alte vor der jungen Frau:
Ihr rosa Höschen zieht ganz langsam er herab
Und mit der Zunge leckt er wie’n Hund an ihrer Votze.
Die haar’gen Arme klammern ihr’n bleichen Arsch,
Doch sie lehnt stumm an ihm, gleich einer blaßen Säule,
Die Hände sachte spiel’n mit seinen rostigroten Locken.

Ich will nicht weg vom Fenster,
Doch einer reißt mich wild am Hals
Und rücklings taumle ich die Trepper schwer hinab.
Ganz unten stiert die Sonn auf meine braunen Schenkel.
Ich schau dem Mädchen da ins ängstlich-geile Antlitz,
und langsam sinkt der Blick in flacher Brüste Furche.

<Nach oben>

Glockensonnenfeuer

rauchfeuer kreiselnd zum stillblau,
verlorenes gebell des hunds
im sonnendurchwühlten beet.

dir fällt das atmen schwer
so laß dein selbst ins reich der
schatten tauchen,
bis nicht mehr gefühlt des
lebens feiste stunden.
nur noch der badenden entfernt
gemurmelschreien
holt dich zurück ins glühen.

der glockenblume kurze daseinsfrist
kann dich da wohl erschüttern,
und lächeln einer ros im teich
enthebt dich tiefer ängste.

glaub ihr: sie wird dich nichtt
belügen - nimmermehr.

<Nach oben>

Glocknsummafeia

rauchfeia kreislnd zum staadblau,
valoans gebell vo am hund
im sonnaduachwuidn beet.

dia foid des atmen schwaar
so loß dei selbst ins reich dea
schattn daucha,
bis ned mehr gfuihd des
lebns foaste stundn.
nua no dea badnden entfernt
gemuamlschrein
hoid di zruck ins glüahn.

dea glocknbluma kuaze daseinsfrist
ko di do woi erschüttan,
und lächln vo oana ros im weia
enthebt di diefa ängst.

aab ihr: sie wead di ned
belüang - niamois.

<Nach oben>

Hier geht's zu meinen Blog da finden Sie weitere Gedichte

http://markus-dosch.blog.de/

Ihr Markus Dosch

Übersicht

  1. Dich traf ich Baum
  2. Am Fenster
  3. Glockensonnenfeuer
  4. Glocknsummafeia (bayrische Version)

*  © 2008-2014  *  www.Markusdosch.de  *